Im Rahmen seines sechsten Weherufes gegen Schriftgelehrte und Pharisäer (Mt 23.27–28) dient Matthäus ein für sein Erstadressatenpublikum aus mit den heiligen Schriften und Traditionen Israels gut vertrauten jüdischen Jesusanhängerinnen und -anhängernFootnote 1 auf den ersten Blick recht eigentümliches Bild als Vergleichsmoment, um das Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten zu kritisieren.
28 οὕτως καὶ ὑμεῖς
So auch ihr:
Mit Hilfe der Opposition von ‘innen’ und ‘außen’, die die beiden Hälften des Weherufes eng miteinander verzahnt,Footnote 2 vergleicht Matthäus die Schriftgelehrten und Pharisäer mit geweißten Grabmälern, die außen schönFootnote 3 scheinen, aber innen das enthalten, was Gräber üblicherweise bewahren: Totengebeine, die eine Primärquelle für Unreinheit darstellen (Num 19.16; Lev 21.1–4, 11). Die Logik des Vergleichs ist dabei recht einsichtig und lässt sich mit dem Sprichwort ‘außen hui und innen pfui’Footnote 4 treffend auf den Punkt bringen, zumal der fünfte Weheruf (Mt 23.25–26), der ebenfalls mit der semantischen Opposition von ‘innen’ und ‘außen’ spielt, die gleiche argumentative Stoßrichtung aufweist. Die jüdischen Schriftgelehrten und Pharisäer wirken nach außen gerecht und fromm, so wie geweißte Grabmäler schön erscheinen, sind es angesichts ihres Innenlebens, ihres Verhaltens, aber ganz und gar nicht. Deshalb soll man zwar (wohl nochFootnote 5) tun, was sie sagen, aber auf keinen Fall nachahmen, was sie selbst machen (vgl. Mt 23.3). Der schöne, äußere Schein ist gut, aber das innere Sein ist verdorben.
1. Weiße Gräber sind nicht schön—das Problem
Einen Schönheitsfehler allerdings scheint dieser Vergleich zu haben. Denn in der jüdischen Tradition ist die Farbe Weiß im Kontext von Gräbern eigentlich kein Farbkennzeichen, das als schön charakterisiert werden könnte. Weiß dient vielmehr als Warnfarbe, um auf den ersten Blick nicht als Gräber und damit als Unreinheitsquelle zu erkennende Orte warnend zu markieren.Footnote 6 Ein weißes Grab ist nicht schön, sondern hält auf Distanz. Weiß als negativ konnotierte Warnfarbe nimmt dann aber dem matthäischen Vergleich ein gutes Stück seiner argumentativen Kraft,Footnote 7 weil die von Matthäus inszenierte Opposition von schönem Äußeren und innerer Unreinheit nicht aufgeht. Denn die Erstadressaten des Matthäus werden die Zuschreibung der Schönheit an die geweißten Gräber nicht teilen. Vielmehr ist für sie die weiße Farbe gerade eine Warnung vor der gefährlichen Unreinheit, die sich im Inneren verbirgt: Weiße Gräber sind kein Gegensatz zu innerer Unreinheit, sondern sind mit dieser konsekutiv verbunden. Überträgt man diesen Zusammenhang auf die zweite Hälfte des Weherufes, wie dies der Vergleich zwingend erfordert, dann wäre die äußere Gerechtigkeit der Pharisäer und Schriftgelehrten geradezu eine Warnung vor ihrer inneren Heuchelei. Das aber macht argumentativ und kontextuell im Rahmen der Weherede keinen Sinn. Mithin ist die Wertung der weißen Farbe als schön für die Erstadressaten des Matthäus eine irritierende semantische Überraschung, wobei—etwa im Gegensatz zu einer kühnen Metapher oder einer Parabel—nicht zu erkennen ist, dass die schillernde und gegen die Tradition verstoßende semantische Neukombination von weißen Gräbern und Schönheit argumentative Kraft entfalten könnte.
Dabei hat Matthäus sich offensichtlich bewusstFootnote 8 für die schönen weißen Gräber als Vergleichsmoment entschieden, insofern die Q-Version der Weherufe (Q 11.44Footnote 9), die Matthäus nach der Zwei-Quellen-Theorie kennen muss, die Pharisäer mit unkenntlichen—und das heißt dann gerade mit nicht weiß markierten—Gräbern vergleicht, über die Menschen gehen und sich verunreinigen, ohne es zu merken. Pointiert schreibt dazu Ulrich Luz: ‘In der matthäischen Fassung wird das Bild von den Gräbern genau umgekehrt [zur lukanischen und Q-Version, ML] gebraucht. Nicht den unkenntlichen, sondern den mit Kalkpflaster bzw. Stuck geweißten Gräbern gleichen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Daß man Gräber schmücken soll, um die Verstorbenen zu ehren, ist für Griechen und Juden selbstverständlich. Die Schwierigkeit besteht nur darin, daß fromme Juden das Tünchen eines Grabes niemals als Schmuck bezeichnet hätten; die geweißelte Platte oder der geweißelte Stein zeigten ja einen unreinen Ort an und waren darum alles andere als “schön”. Wie kommt also der matthäische Weheruf dazu, ein geweißeltes Grab als “schön” zu bezeichnen? Über diese Frage ist viel Tinte verschrieben worden. Die beste Erklärung ist vermutlich, daß der Autor dieses neuen Bildes dem Reinheitsgesetz ähnlich entfremdet gegenüberstand wie der Sprecher von V. 25f, der die pharisäischen Reinigungspraktiken karikierte, und wie auch Matthäus selbst’.Footnote 10
Man wird wohl sagen müssen—und Ulrich Luz deutet seine eigene Skepsis im Blick auf die von ihm gebotene Erklärung auch dezent an (‘Die beste Erklärung ist vermutlich’)—, dass der Verweis auf eine potentiell kritische Entfremdung dem Reinheitsgesetz gegenüber (und welchem eigentlich genau?) noch keine Antwort ist, die das scheinbar verdrehte Bildfeld wirklich erklären und als Argument im Rahmen der Weherede ernst nehmen könnte, ganz davon abgesehen, dass mir nicht ausgemacht zu sein scheint, ob Matthäus überhaupt dem Reinheitsgesetz derart entfremdet gegenübersteht.Footnote 11 Hat Matthäus also einen Weheruf konstruiert, der in seiner auf einem Vergleich beruhenden Argumentation im Letzten unplausibel ist?
2. Weiße Gräber sind (auch) schön—motivkritische Beobachtungen
Die von Ulrich Luz zu Recht gestellte Frage (‘Wie kommt also der matthäische Weheruf dazu, ein geweißeltes Grab als “schön” zu bezeichnen?’) aufgreifend, möchte ich einen motivkritischen Vorschlag unterbreiten, um das Problem der semantischen Kombination von weißem Grab und der Wertung dieses Grabes als schön zu lösen. Denn auch in der jüdischen Tradition gibt es Beispiele für Gräber, die äußerlich (sekundär) geweißt sind und gerade deshalb als kostbar und schön gelten. Freilich, es sind zunächst nur wenige Beispiele, aber dafür überaus prominente.
2.1. Das Grab König Davids nach der Renovation durch Herodes den Großen—ein schönes, weißes Grabmal
Das erste Beispiel führt zum berühmten und auch im Neuen Testament (Apg 2.29) explizit genannten Grabmal des Königs David und zur ausschmückenden Renovation, die dieses Grab durch Herodes den Großen sekundär erfahren hat.Footnote 12 Über dieses Jerusalemer BauprojektFootnote 13 des Herodes erzählt Flavius Josephus mit einer gewissen Belastungstendenz im Blick auf Herodes folgende Geschichte (Ant 16,179–84Footnote 14):
179 Herodes, der sowohl innerhalb wie außerhalb seines Reiches einen kolossalen Aufwand machte, hatte schon früher einmal vernommen, dass sein Vorgänger Hyrkanus Davids Grab geöffnet und daraus dreitausend Talente Silber entnommen habe, sowie auch, dass darin noch so viel vorhanden sei, um seinen ganzen jetzigen Bedarf zu decken. 180 Er hatte sich daher schon längst mit dem Gedanken getragen, dasselbe zu tun, und ließ jetzt in einer Nacht das Grab (τὸν τάϕον) öffnen, worauf er sich mit seinen vertrautesten Freunden hineinbegab (εἰσέϱχεται), jedoch in aller Stille, damit man in der Stadt nichts davon merkte. 181 Aber er fand ebenso wenig Geld darin wie Hyrkanus und nahm dafür eine Menge goldener Schmucksachen und kostbarer Geräte mit, die er dort antraf. Um nun nichts undurchsucht zu lassen, wollte er noch weiter bis zu den Grabkammern vordringen, in denen Davids und Solomons Gebeine ruhten.
182 καὶ δύο μὲν αὐτῷ τῶν δοϱυϕόϱων διεϕθάϱησαν ϕλογὸς ἔνδοθεν εἰσιοῦσιν ἀπαντώσης, ὡς ἐλέγετο, πεϱίϕοβος δ’ αὐτὸς ἐξῄει, καὶ τοῦ δέους ἱλαστήϱιον μνῆμα λευκῆς πέτϱας ἐπὶ τῷ στομίῳ κατεσκευάσατο πολυτελὲς τῇ δαπάνῃ.
182 Und zwei der Bodyguards von ihm wurden getötet (durch) eine Flamme, die, als sie hineingingen, von innen her (ihnen) entgegenschlug, wie man sich erzählt hat; sehr verängstigt aber floh er hinaus und (wegen) der Furcht ließ er als Weihegeschenk/Sühnemittel ein Grabmal weißen Steines beim Eingang mit kostspieligem Aufwand einrichten.
183 Dieses Denkmal erwähnt auch der Geschichtsschreiber Nikolaus, der zur Zeit des Herodes lebte. Doch berichtet er nicht, dass der König in das Grab eingedrungen sei, da er wohl weiß, wie unziemlich ein solches Benehmen ist. Diese Art, Geschichte zu schreiben, behält Nikolaus auch im Übrigen bei.
184 Denn weil er im Reiche des Herodes lebte und mit ihm verkehrte, schrieb er, um sich ihm gefällig zu erweisen und ihm zu schmeicheln, nur das nieder, was zum Ruhme des Königs beitragen konnte …
Der zweite Gewährsmann für dieses Bauvorhaben des Herodes ist der von Flavius Josephus als Quelle genannte Nikolaus von Damaskus, ein Zeitgenosse des Herodes, dem Josephus eine parteiische Darstellung der Ereignisse unterstellt. Das ist nun nicht nur ein Topos, um die eigene, qualitativ natürlich wertvollere Arbeit als Historiker in Auseinandersetzung mit konkurrierenden Geschichtsdarstellungen herauszustellen, sondern auch Teil der Strategie des Josephus, Herodes in den Antiquitates in einem ungünstigen Licht erscheinen zu lassen. Letzteres weckt natürlich den Verdacht historisch-kritischer Wissenschaft, die dazu neigt, bei Josephus einen gewissen Eifer in der Belastung des Herodes wahrzunehmen und entsprechend die von Josephus erzählte Tradition des Grabraubes als eigentliche Motivation für die Errichtung des Grabmales aus weißem Stein in den Bereich der Legende zu verweisen.Footnote 15 Leider ist der Text des Nikolaus von Damaskus nicht erhalten,Footnote 16 so dass wir nicht genau wissen, wie er von der Ausgestaltung des Davidsgrabes mit weißem Stein berichtet hat. Aus der Darstellung des Josephus lässt sich nur erschließen, dass Nikolaus offensichtlich die Ausgestaltung des Grabes durch Herodes erwähnt, aber keinesfalls die Tradition des Grabraubes nennt. Gleichwohl erlaubt es der Verweis des Josephus auf Nikolaus, anzunehmen, dass die Tradition von der Errichtung eines weißen Grabmales am Davidsgrab durch Herodes älter ist als ihre literarische Bezeugung bei Josephus.
Einige Detailbeobachtungen: Im Blick auf die von Herodes vorgenommene Ausgestaltung des Grabes, das nach der Josephustradition mindestens ein Doppelgrab für David und Salomo darstellt und entsprechend zu den israelitischen Königsgräbern gehört, kann man im Text des Josephus recht präzise zwischen den Begriffen τάϕος und μνῆμα differenzieren. Herodes lässt nach Josephus ein μνῆμα errichten, was hier einem Grab- oder Denkmal als Memorialort entspricht,Footnote 17 während der Begriff τάϕος das Grab als ganze Anlage meint, in die man hineingehen kann. Die für unseren Zusammenhang entscheidende Weißung des Grabes ist also präzise die Errichtung eines μνῆμα aus weißem Stein am Eingang des Grabes (also außen), wobei das μνῆμα für Herodes in der Sicht des Josephus die Funktion eines ἱλαστήϱιον hat. Über die Bedeutung dieses Begriffes ist in der neutestamentlichen Wissenschaft vor allem im Kontext von Röm 3.25 viel diskutiert worden. In unserem Zusammenhang legt sich die Bedeutung Sühnemittel oder (vielleicht noch treffender) WeihegeschenkFootnote 18 nahe, das Herodes aus Furcht (τοῦ δέους lässt sich mit Adolf Deissmann als Genitivus auctoris verstehenFootnote 19) vor göttlicher Strafe angesichts seines Grabfrevels errichtet hat.Footnote 20 Das Weihegeschenk wäre dann gleichsam eine Form der reuigen und auf Versöhnung abzielenden Wiedergutmachung.
Im Diskurs um dieses Grabmal umstritten ist zudem die Materialfrage, die für unseren Zusammenhang noch wichtig werden wird (vgl. 2.2 und 2.3). Der Text des Josephus spricht an unserer Stelle mit einer gewissen semantischen Offenheit von einem μνῆμα λευκῆς πέτϱας. Die gängigen ÜbersetzungenFootnote 21 wie auch die Sekundärliteratur zum Bauprojekt des HerodesFootnote 22 gehen im Blick auf diesen weißen Stein gerne von Marmor aus, wie sich dies durch den Kontext (die hohen Kosten des Projektes werden von Josephus betont) durchaus auch nahelegt. Da dieses Grabdenkmal bis heute (noch) nicht gefunden worden ist,Footnote 23 lässt sich die Materialfrage nicht am konkreten Objekt überprüfen. Auffällig ist allerdings, dass im Werk des Josephus die Übergänge zwischen Marmor und weißem Stein sehr fließend sind. Ein instruktives Beispiel ist die Beschreibung eines von Herodes dem Großen gebauten Tempels am Paneion. In Bell 1,404 bezeichnet Josephus diesen Tempel als aus weißem Marmor (λευκῆς μαϱμάϱου) bestehend. In Ant 15,363 hingegen nennt er die aus Ant 16,182 bekannten weißen Steine (πέτϱας λευκῆς) als Baumaterial für diesen Tempel. Weißer Stein und Marmor erscheinen in dieser Perspektive geradezu austauschbar. Dabei zeigt sich für die angesichts der archäologischen Befunde überprüfbaren Fälle, dass regelmäßig die Beschreibung der entsprechenden Bauten mit ‘weißem Stein’ sachlich angemessener ist als die Rede von Marmor, weil dieser realiter (auch wenn Josephus nur von Marmor spricht) nicht verwendet worden ist, sondern oft polierte Kalksteine zum Einsatz kamen.Footnote 24 Insofern liegt es insgesamt näher, im Blick auf das Davidsgrab mit Josephus von einem Grabmal aus poliertem weißem (Kalk)Stein auszugehen.
Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Tradition der äußeren Ausschmückung des Davidsgrabes durch ein μνῆμα aus weißem Stein eine reine Erfindung ist, auch wenn letztlich nur eine Quelle von dieser Grabverschönerung spricht. Historisch möglich ist dieses Bauvorhaben allemal und literarisch belegt ist es in jedem Fall. Zudem passt es zum Bauprogramm des Herodes, der in seiner auf einen Ausgleich zwischen Romorientierung und jüdischer Identitätswahrung abzielenden Baupolitik die Gräber von prominenten Figuren des Judentums, wie etwa die Patriarchengräber in Hebron, repräsentativ hat aus- und umbauen lassen.Footnote 25 Daher wird man sagen können, dass es dieses Grabverschönerungsprogramm des Herodes gegeben hat und sich mit dem Davidsgrab in den Traditionen des Judentums ein recht prominentes Beispiel für ein sekundär durch ein Grabmal geweißtes Grab findet, das als prachtvoll und schön verstanden werden kann. Zwar findet sich im Text des Josephus keine explizite Wertung dieses Grabmales als schön, aber Josephus selbst gibt doch einen Fingerzeig, dass die sekundäre Ausstattung des Grabes mit weißem Stein im Judentum der Antike als schön und prächtig verstanden wurde. Dieser indirekte Hinweis lässt sich der Kritik des Josephus an Nikolaus entnehmen, insofern Josephus sich genötigt fühlt, die Information über die Ausschmückung, die Nikolaus bietet, als für Herodes positiv eingenommene Hofgeschichtsschreiberei zu werten, die eben ein dezidiert positives Licht auf Herodes werfen würde. Dann aber muss die Errichtung eines weißen Steingrabmales prinzipiell positiv konnotiert gewesen sein, um überhaupt den Ruhm des Herodes steigern zu können.Footnote 26 Dem korrespondiert, dass die Grabanlage, die ja nach Josephus David und Salomo galt, von den Juden in Ehren gehalten wurde. Eine entsprechende Notiz findet sich bei Cassius Dio (69,14.2), der schreibt, dass das μνημεῖον τοῦ Σολομῶντος zu Beginn des 2. Jh. n. Chr. von den Juden hoch verehrt wurde. Es lässt sich angesichts des Sprachgebrauchs bei Cassius Dio die Vermutung anstellen, dass es sich bei diesem μνημεῖον um das von Herodes errichtete μνῆμα handelt,Footnote 27 das sich dann auf die beiden im Grab liegenden Könige bezogen hätte (der Sprachgebrauch bei Josephus schließt dies jedenfalls nicht aus). Wenn dies aber von den Juden hoch verehrt wurde, kann seine weiße Farbe in keiner Weise abschreckend gewesen sein.
Angesichts dieses Befundes ist die in der exegetischen Forschung zu Mt 23.27 dominierende Gleichung—ein geweißtes Grab sei eine Warnung und entsprechend nicht schön, was unweigerlich zu gewissen Aporien im Verständnis des matthäischen Vergleichs führt—dahingehend zu modifizieren, dass es im Judentum mindestens seit herodianischer Zeit möglich war, die Farbe Weiß im Kontext eines Grabes positiv im Sinne von Schönheit und Prächtigkeit zu werten. In der Folge ist es prinzipiell auch möglich, dass sich der Evangelist Matthäus ohne größere Schwierigkeiten auf schöne weiße Gräber beziehen oder doch zumindest sein judenchristliches Erstadressatenpublikum Mt 23.27 in dieser Weise verstehen kann—dies nicht zuletzt auch, weil sich ein weiteres Beispiel für ein weißes Grab finden lässt, das als schön gilt.
2.2. Die Gräber der Patriarchen in Hebron nach der Renovation durch Herodes den Großen
In diesem Fall führt die motivkritische Spurensuche nach Hebron und zu den dort gelegenen Patriarchengräbern. Diese Grabanlage ist, so der archäologische Befund,Footnote 28 von Herodes dem Großen repräsentativ neu eingefasst worden. Erneut ist es Flavius Josephus, der von diesem Bauprojekt berichtet, ohne allerdings HerodesFootnote 29 oder sonst jemanden als Bauherrn zu nennen und leider auch ohne die Farbe des als Baumaterial verwendeten Marmors näher zu bezeichnen (Bell 4,531–2):Footnote 30
Ferner berichtet man, Hebron habe Abraham, dem Stammvater der Juden, nach seiner Wanderung aus Mesopotamien als Wohnsitz gedient, und dessen Nachkommen seien von dort aus nach Ägypten gezogen. Deren Grabmäler (τὰ μνημεῖα) werden heute noch in diesem Städtchen gezeigt: sie bestehen ganz aus schönem Marmor (καλῆς μαϱμάϱου) und sind prachtvoll ausgearbeitet.
Diese von Josephus explizit als schön bezeichnete Marmorausstattung der Grabmäler besteht nach den archäologischen Evidenzen tatsächlich nicht aus Marmor, sondern aus poliertem, weiß glänzendem Kalkstein.Footnote 31 Wir haben in der Materialfrage (vgl. die Detailbeobachtungen unter 2.1.) also hier einen der Fälle vorliegen, bei denen Josephus etwas als Marmor bezeichnet, was realiter nicht aus Marmor, sondern aus weißem Kalkstein besteht.Footnote 32 Aber von diesem Detail abgesehen, ist mit den Patriarchengräbern in Hebron neben dem Davidsgrab in Jerusalem eine zweite Grabanlage in der jüdischen Tradition nachgewiesen, deren äußereFootnote 33 weiße Farbe von Juden des 1. Jh. n. Chr. als schön und prachtvoll verstanden wird.
2.3. τάϕοι κεκονιαμένοι—Anmerkungen zu zwei möglichen, philologiebasierten Einwänden
Zwei möglichen Einwänden gegen den hier vorgetragenen Motivhintergrund sei prospektiv begegnet. Beide sind philologischer Natur und beziehen sich auf die von Matthäus verwendete Begrifflichkeit.
Ein erster möglicher Einwand wurzelt im abweichenden Sprachgebrauch, insofern Josephus im Blick auf das Davidsgrab von einem äußeren weißen, schönen μνῆμα im Gegenüber zum gesamten Grab (τάϕος) spricht, in das man hineingehen kann. Bei Matthäus ist hingegen von weißen Gräbern (τάϕοι)Footnote 34 die Rede, die außen schön scheinen. Ein μνῆμα ist aber vorderhand nicht das Grab als solches, sondern ein äußeres Element eines Grabes. So jedenfalls schien eine Differenzierung im Blick auf den Josephustext in Ant 16 möglich. Dann aber spricht Josephus eben nicht von einem geweißten Grab, sondern nur von einem geweißten Grabmal, was in gewisser Spannung zur matthäischen Redeweise steht. Ob die Unterscheidung zwischen μνῆμα und τάϕος allerdings generell bei JosephusFootnote 35 und vor allem in der übrigen Gräzität durchgehalten wird bzw. besteht, ist fraglich, insofern etwa im ‘Liddell/Scott/Jones’ sowohl für μνῆμα als auch für τάϕος die Übersetzung ‘tomb’ verzeichnet wird.Footnote 36 Wichtiger aber noch ist jenseits dieser ersten Überlegung der matthäische Sprachgebrauch im Blick auf die Begriffe τάϕος, μνῆμα und μνημεῖον. Dabei zeigt sich, dass Matthäus das Wort μνῆμα überhaupt nicht verwendet, sondern konsequent das mit μνῆμα eng verwandte μνημεῖον nutzt. Höchst auffällig ist nun, dass Matthäus die Begriffe μνημεῖον und τάϕος sehr gerne in Kombination verwendet, wobei nicht ganz klar wird, ob er sie synonym versteht und im Sinne sprachlicher variatio einsetzt oder sich die beiden Bezeichnungen präzise unterscheiden lassen. Sollte es sich um eine synonyme Verwendung handeln, dann stellt sich das hier diskutierte Problem nicht, weil Mt 23.27 dann auch im Sinne eines Grabmales und nicht eines Grabes verstanden werden kann. Unterscheidet Matthäus hingegen zwischen den beiden Lexemen, was mir eher der Fall zu sein scheint, dann ist in der Tat zu fragen, ob dadurch ein Bezug von Mt 23.27 mit der Rede von den weißen Gräbern (τάϕοι) auf das weiße μνῆμα des Davidsgrabes bzw. die vermeintlich marmornen μνημεῖα in Hebron noch möglich ist. Hier kann nur eine präzise Analyse des matthäischen Sprachgebrauches helfen. Sie zeigt m.E., dass Matthäus die in Rede stehenden Begriffe entlang einer Differenzachse von ‘innen und außen’ verwendet. Und entgegen der Erwartung, die der Josephustext weckt, scheint τάϕος bei Matthäus eher das Äußere des Grabes zu bezeichnen, μνημεῖον hingegen das Innere. Besonders deutlich wird diese Unterscheidung im Rahmen der matthäischen Passions- und Ostergeschichte, weil hier die beiden Begriffe in schneller Folge für das Grab/Grabmal Jesu verwendet werden.
Die Unterscheidung von ‘innen und außen’ im Blick auf Grab und Grabmal lässt sich auch an weiteren Stellen im Matthäusevangelium nachzeichnen: So kommen in Mt 27.52–3 Tote aus ihren Gräbern (τὰ μνημεῖα ἀνεῴχθησαν … ἐξελθόντες ἐκ τῶν μνημείων) heraus, womit dann notwendig das Innere des Grabes gemeint sein muss. Ähnlich liegt der Fall in Mt 8.28: Hier sind es Besessene, die aus den Gräbern (ἐκ τῶν μνημείων ἐξεϱχόμενοι) herauskommen. Schillernd ist schließlich Mt 23.29, insofern im unmittelbaren Kontext des Weherufes von Mt 23.27–28 beide Begriffe in einem Vers anzutreffen sind: Οὐαὶ ὑμῖν, γϱαμματεῖς καὶ Φαϱισαῖοι ὑποκϱιταί, ὅτι οἰκοδομεῖτε τοὺς τάϕους τῶν πϱοϕητῶν καὶ κοσμεῖτε τὰ μνημεῖα τῶν δικαίων. Will man nicht annehmen, dass hier die semantische Varianz einer stilistischen variatio entspricht und die Begriffe von Matthäus synonym verwendet werden, ist auch in diesem Fall, insbesondere angesichts der jeweils verwendeten Verben, eine Differenzierung entlang von ‘innen und außen’ möglich. So bietet das antike Jerusalem, um ein Beispiel zu geben, eine Vielzahl von wirklich gebauten Grabmälern, die in variierenden architektonischen Formen eine innere, oft aus dem Felsen geschlagene (vgl. Mt 27.60) oder natürlich vorhandene (ältere) Grabhöhle umschließen und so nach außen repräsentativ markieren.Footnote 38 Auf der anderen Seite gibt es in Jerusalem ebenfalls Gräber, die durch gebaute Grabmäler monumental ausgezeichnet und deren innere Grabkammern durch Malerei und Graffiti ausgeschmückt worden sind.Footnote 39 Freilich sind diese Beispiele im Blick auf Mt 23.29 nicht zwingend, wohl aber zeigen sie die Möglichkeit auf, auch diesen Vers entlang der Unterscheidung von ‘innen und außen’ zu verstehen. Insgesamt scheint mir daher die Unterscheidung von μνημεῖον und τάϕος entlang der Achse ‘innen und außen’ im Matthäusevangelium schlüssig zu sein. Nun bezeichnet aber μνῆμα bei Josephus gerade eher den äußeren Bereich des Grabes, insofern das weiße Marmorgrabmal beim Eingang zum Grab, also außen, aufgestellt wurde. Dieses Äußere eines Grabes umschreibt Matthäus aber mit schöner Regelmäßigkeit durch das Wort τάϕος, so dass sich die matthäische Redeweise in Mt 23.27 (τάϕοις) höchst passend auf das μνῆμα λευκῆς πέτϱας in Ant 16,182 beziehen kann.
Der zweite Einwand nimmt ebenfalls die Realien in den Blick. Es geht um das von Matthäus verwendete Partizip κεκονιαμένοις, das sich explizierend auf τάϕοις bezieht. Matthäus hat also vor allem den Vorgang des Weiß-Machens im Blick und spricht nicht vermittels eines Adjektivs von weißen Gräbern bzw. Grabmalen. Dabei ist gleichwohl klar, dass es sich um geweißte Gräber handelt. Nun allerdings enthält das Partizip κεκονιαμένοις bereits eine Aussage darüber, mit welchem Mittel hier die Gräber geweißt werden, insofern das Verb κονιάω auf das Substantiv κονία verweist. Κονία bezeichnet pulverisiertes Material wie Kalk, Staub, Asche und Sand, aber auch alkalische Flüssigkeiten wie Kalklauge. Entsprechend wird κονιάω mit ‘weißen’, ‘tünchen’ oder ‘mit Kalk überstreichen’Footnote 40 bzw. im Englischen mit ‘plaster with lime or stucco’Footnote 41 übersetzt. Lässt aber diese Semantik überhaupt einen Bezug auf weiße Steine zu oder ruft sie nicht vielmehr die Assoziation der immer wieder gekalkten Gräber auf, wobei die weiße Farbe dann eben eine Warnfarbe ist und nicht als schön verstanden werden kann? In diesem Zusammenhang sei zunächst daran erinnert, dass es sich bei den von Herodes verwendeten Steinen in aller Regel um weißen Kalkstein handelt. Das herodianische Baumaterial ist also ganz eng mit dem verbunden, was κονία bezeichnet. Und dies würde sogar auch dann noch gelten, wenn es sich bei dem im Rahmen des Davidsgrabes verwendeten weißen Stein (μνῆμα λευκῆς πέτϱας) um Marmor handeln sollte, was, wie gezeigt, wenig wahrscheinlich ist (vgl. die Detailbeobachtungen unter 2.1.). Denn in der Antike gibt es einen überaus engen Zusammenhang zwischen Marmor, der selbst eine besonders feste kristalline Form von Kalkstein ist, und Kalkputz bzw. Stuck, also κονία. In der antiken Baukunst bestand nämlich die Möglichkeit, Marmor durch den Einsatz von Stuck, Gips und Kalkputz sowie unter Hinzufügung gewünschter Farbpigmente zu imitieren. Dieses Phänomen nennt man Stuckmarmor, der etwa in den Techniken Stuccolustro oder Scagliola zur Ausführung kommt.Footnote 42 Noch heute erhaltene Beispiele für antiken Stuckmarmor finden sich in einigen der Villen (etwa der Villa Oplontis), die der Vesuv bei seinem Ausbruch 79 n. Chr. begraben und auf diese Weise konserviert hat. Gips-, Kalk- und Stuckgemische können also wie Marmor wirken und sind in der Antike ein billiger Ersatz für echten Marmor. Angesichts dieses engen Zusammenhangs zwischen dem Baumaterial Marmor und den durch κονία bezeichneten Werkstoffen, schließt nun die matthäische Rede von τάϕοι κεκονιαμένοι die Assoziation weißen Steines, ja sogar weißen Marmors gerade nicht aus—dies gilt umso mehr angesichts des in Hebron realiter verwendeten weißen Kalksteins. Anders gesagt: Die Philologie von Mt 23.27 steht der hier vorgetragenen Lösung für weiße Gräber, die als schön bewertet werden, nicht entgegen.
3. Ergebnisse und Thesen
Es war das Primärziel dieses Beitrages, aufzuzeigen, dass es im Rahmen der kulturellen Plausibilitäten des antiken Judentums möglich ist, ein geweißtes Grab als schön zu verstehen. Zwei Bauwerke Herodes’ des Großen können dafür als Beispiel dienen.Footnote 43 Über den Nachweis dieser motivkritischen Option hinaus kann und sollte man nun allerdings auch nochmals Mt 23.27–28 in den Blick nehmen und fragen, was sich für das Textverständnis dieses Weherufes ergibt, wenn man die von Herodes geweißten Grabmäler als mögliche Referenzobjekte für den Vergleich nutzt.
3.1. ‘Außen hui und innen pfui’—zur Logik des Vergleichs
Die Logik des Vergleichs, der den sechsten Weheruf ganz wesentlich bestimmt, funktioniert vollständig, weil für das matthäische Publikum schöne, weiße Grabmäler vorstellbar sind. Das ist ein neuer Motivhintergrund, der eine Alternative zu einer ganzen Reihe von Stimmen in der Forschung darstellt, die ausschließlich den Brauch des jährlichen Kalkweißens von Gräbern im Sinne einer Warnung vor diesen als leitenden Motivhintergrund für Mt 23.27 erachten.Footnote 44 Deutende Hilfskonstruktionen,Footnote 45 die nötig sind, um das matthäische Bild, das eben dann doch von weißen Gräbern spricht, die schön scheinen, mit dem vermeintlichen Motivhintergrund auszugleichen, sind angesichts der hier vorgetragenen Motivparallelen nicht mehr nötig. Ebenso entfällt der scheinbare Zwang, im Blick auf die matthäische Wortwahl von Missverständnissen seitens des Matthäus (im Blick auf die vorausliegende Tradition) oder von Problemen in der textkritischen Überlieferung auszugehen.Footnote 46 Der vor dem hier vorgetragenen Motivhintergrund ganz zwanglose und in keiner Weise ‘hinkende’ Vergleich von Mt 23.27–28 besagt, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten nach außen so gerecht scheinen wie weiße Gräber nach außen hin schön erscheinen. Aber im Inneren zeigen die Pharisäer und Schriftgelehrten wie die Gräber ihr wahres Gesicht: auf der einen Seite Heuchelei auf der anderen unreines Totengebein. ‘Außen hui und innen pfui’ und ‘mehr Schein als Sein’ treffen präzise die Sinnspitze des Vergleichs.
Es ist das Hauptergebnis dieses Beitrages, dass der Vergleich des sechsten Weherufes angesichts der aufgezeigten Motivparallelen in jeder Hinsicht funktioniert. Darüber hinaus seien thetisch noch zwei zusätzliche, durchaus spekulative Aspekte genannt.
3.2. Ein letzter Seitenhieb auf Herodes den Großen?
Sollte Mt 23.27–28 bewusst und präzise (was sich freilich nicht aufklären lässt) auf Bauwerke des Herodes anspielen und nicht einfach nur eine im Rahmen jüdischer Kultur auch im Kontext von Gräbern mögliche Farbassoziation wiedergeben, dann wäre dem Weheruf auch eine leise Kritik an Herodes dem Großen eigen, der im Rahmen des Matthäusevangeliums (Mt 2.1–12, 16–18) ohnehin in fahlem Licht erscheint.Footnote 47 Herodes hätte dann wunderschön eingekleidet, was innerlich doch voller Unreinheit ist, ja, er hätte eine Quelle der Unreinheit geradezu verdeckt und damit die Gefahr der Verunreinigung, die ein Grab mit sich bringen kann, im Wortsinne übertüncht. Denn dass Gräber unrein machen, scheint auch für Matthäus angesichts von Mt 23.27 außer Frage zu stehen.Footnote 48 Und das gilt auch für die Gräber so großer Figuren wie Abraham, David, Salomo und die übrigen Propheten, Patriarchen und Könige. Ist dann der Weheruf auch eine Kritik am jüdischen Ahnenkult, den insbesondere Herodes mit prächtigen Bauwerken unterstützt hat, um sich selbst als frommen Juden darzustellen? Und noch ein kleines Detail: Wenn Matthäus mit Blick auf die herodianischen Bauten von schön scheinenden τάϕοι κεκονιαμένοι sprechen sollte, und mit seiner Wortwahl in jedem Falle eher an Marmorimitat als an echten Marmor erinnert, dann lässt sich auch das nochmals als Kritik an Herodes verstehen, der in der Sicht des Matthäus selbst beim schönen Schein knauserigFootnote 49 ist. Was wie teurer Marmor aussieht, ist doch nur billigeres Imitat, ist gleichsam erneut ‘außen hui und innen pfui’, weil es zwar schön scheint, aber doch nicht echt ist. Ist Herodes also ein Geizhals, der mehr auf den schönen Schein als das wahre Sein setzt?
3.3. Eine unheilige Allianz?
Schließlich kann der Weheruf noch eine zusätzliche kritische Note gegenüber den Pharisäern und Schriftgelehrten enthalten, deren polemische Kritik ohnehin das Gesamtziel der Weherufe ist. Wenn nämlich der Weheruf auf Bauwerke des Herodes anspielt, dann schafft er durch den Vergleich eine Verbindung zwischen Herodes und den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie gleichen einem Werk des Herodes. Das ist wie ein Stachel im Fleisch der Pharisäer und Schriftgelehrten, weil sie, die sicher keine Herodesfreunde sind,Footnote 50 sich mit ihm vergleichen lassen müssen.Footnote 51 Mehr noch: Nimmt man den siebten Weheruf (Mt 23.29–30) mit in diese Überlegungen hinein, dann kann man zumindest fragen, ob Matthäus hier nicht den Schriftgelehrten und Pharisäern vorwirft, dass sie sogar genau das tun, was Herodes getan hat:Footnote 52 Sie bauen und schmücken die Grabmäler der Propheten und die Gräber der Gerechten. Natürlich hat Herodes nach Ausweis der Quellen Patriarchen- und Königsgräber ausgebaut, nicht aber explizit Prophetengräber. Auf der anderen Seite wird etwa das Davidsgrab in Apg 2.29–30 als Prophetengrab verstanden.Footnote 53 Sieht Matthäus hier also eine Allianz und Kontinuität am Werk, die die Pharisäer und Schriftgelehrten gleichsam zu Erben des Herodes macht? Das wäre dann ein weiterer Mosaikstein in der Kritik des Matthäus an Pharisäern und Schriftgelehrten, die ihren eigentlichen Sitz im Leben im Sinne des Matthäusevangeliums als einer ‘inklusiven Jesusgeschichte’Footnote 54 aber in der Situation und den Konflikten der matthäischen Gemeinde mit dem pharisäischen Judentum nach 70 n. Chr. hat.Footnote 55